Mittsommer – Johannis – Litha – Wendezeit 21. Juni

Mit großen Schritten nähern wir uns der Sommersonnwende. Der 21 Juni ist der längste Tag im Jahr. Von nun an werden die Tage wieder kürzer und die Nächte länger. So schnell geht das. Jedes Jahr bin ich immer wieder erstaunt, wie rasant die Zeit vergeht. Umso wichtiger finde ich, ist es feste Punkte im Jahresrhythmus zu feiern. Leider kann ich dieses Jahr keinen Jahreskreis zur Sommersonnwende veranstalten, weil wir im Urlaub sind. Also nicht wirklich leider, wir werden es uns gut gehen lassen und feiern zu zweit!

Es gibt so viel über Litha zu berichten, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen und enden soll. Alles kann ich hier nicht schreiben, dass würde eine „never ending story“ werden.

Die Sonne tritt aus dem Sternzeichen des Zwillings in das Sternzeichen des Krebses. Dies wurde ursprünglich 12 Tage lang gefeiert. Was sind wir doch brav geworden. Umso mehr sollten wir uns dieser Zeit der Liebe und des Rausches, aber auch der Mütterlichkeit und Fürsorge bewusst werden.

Es heißt die Pflanzengöttin sei nun schwanger und Belenos (Heil- und Quellgott) wäre im Zenit seiner milden Herrschaft. Der Donner- und Himmelsgott Taranis, er wird durch ein brennendes Rad symbolisiert, soll nun sehr aktiv werden. Nun ja Sommerzeit ist auch Gewitterzeit. Heiße Tage und Nächte stehen uns bevor. Die mächtigen Entladungen eines Gewitters kennen wir alle. Wir spüren sie, sind fasziniert, ja elektrisiert, aber auch demütig dieser großen Naturgewalt gegenüber. Die Welt ist bunt, voller Blüten und Düfte. Manchmal aber auch völlig verdorrt durch die Kraft der Sonne.

All dies sind nicht nur Zustände, oder Beobachtungen, sondern dies ist auch gleichzeitig die Wertigkeit der Sommersonnwende. Die verschiedenen Feste im Jahreskreis symbolisieren auch unser fortschreitendes Alter im Lebenskreis. Zur Zeit der Mittsommerwende sind wir im Lebensalter Ende 30 bis Ende 40. Es ist eine arbeitsreiche Zeit, wie auch der Sommer schon immer eine arbeitsreiche Zeit war. Wir haben in dieser Lebensphase meist sehr viel zu tun, sind aber auch kraftvoll. Wir wissen was wir können. Wir geben viel, dürfen aber auch die erste Ernte einfahren. Wichtig ist nun, dass uns auch bewusst ist, dass unsere Kräfte nicht unbegrenzt sind. Wir können und sollten auch nicht alles schultern. Also auch mal hinsetzen und durchatmen. Vielleicht nehmt Ihr Euch gerade am 21. Juni dafür einmal Zeit. 

Wenn es Richtung Ende 40 geht, steht uns auch ein Wandel bevor. Eine Wende – Sonnwende!

Unsere Kinder werden erwachsen und lösen sich vom Elternhaus. Das ist einerseits schön, andererseits oft schmerzhaft. Man hat plötzlich mehr Zeit für sich, für die Partnerschaft, aber womit füllen? Die eigenen Eltern sind nun alt geworden und brauchen vielleicht vermehrt unsere Hilfe. Wir müssen die Verantwortung für unsere Kinder abgeben und oft die Verantwortung für unsere Eltern übernehmen. Auch sind wir, das sind wir aber immer, für unser eigenes Leben verantwortlich. Wie gehe ich mit dem Wechsel, der Wende um?

Ja, Wechsel, es beginnen nun bei den meisten Menschen die Wechseljahre. Nein, nein, nicht nur bei uns Frauen. Auch Ihr, liebe Männer, werdet nicht davon verschont.

Mythologie

In Wendezeiten, in allen Zeiten der Jahreskreisfeste sind die Tore zur Anderswelt durchlässiger. Die Götter und Naturwesen können den Menschen nahe kommen. Ein Mensch, der nun auf Übersinnliches trifft, könnte verwundert wahrnehmen, dass er die Götter sehen kann, dass die Sonne still steht, oder drei Sprünge vollführt. Die Pferde sprechen und das Elfenreich ist im Wasser zu erkennen. Vielleicht feiern auch gerade Zwerge ihre Hochzeit unter dem Holunder…

Ratsam wäre es, unter den Wurzeln des Beifußes glühende Narrenkohlen oder Thorellensteine zu suchen. Als Amulette um den Hals getragen sollen sie Schutz gegen Fieber und Fallsucht bringen und zudem Erfolg in der Liebe bescheren. Aber Vorsicht! Sie werden von Höllenhunden mit feurigen Augen bewacht.

Ein paar Bräuche

Junge Menschen rollten mit Stroh umwickelte, brennende Räder (Taranis) die Hügel hinunter. Vielleicht sollte der Donnergott milde gestimmt werden. Ein Lager aus Beifuß (siehe auch in meinem Blog, Pflanzen der Liebe und Ekstase) und duftenden Johanniskräutern verhalf zu Leben und Fruchtbarkeit. Auch wenn bei uns dieses Jahr der Holunder schon verblüht ist, normalerweise wurden nun „Hollerküchla“ gebacken. Außerdem: „Zu Johanni blüht der Holler, da wird die Liebe immer doller!“

Junge Liebespaare umtanzten das entzündete Sonnwendfeuer und mussten sich dabei an den Händen halten, damit ihnen der spätere Trennungsschmerz erspart blieb.

Zu guter Letzt

Das Sonnwendfeuer wurde erst im Mittelalter zum Johannisfeuer, als Abwehr der „Dämonen“, sprich, der Naturwesen. Wie bei vielen anderen Bräuchen wurde das Fest umgedeutet, so soll Johannes der Täufer zu Mittsommer geköpft worden sein. Das Johanniskraut wäre das Blut des Geköpften.

Hier will ich enden! So vieles gäbe es noch zu berichten über die Bräuche, die Glaubenssätze, über die Kräuter zu Mittsommer, über Räucherrituale, über Heilrituale…

Aber nicht nur um Sommersonnwende ranken sich die Mythen und Bräuche, auch jedes der anderen sieben Jahreskreisfeste hat seine eigene Bedeutung. Vielleicht seid Ihr neugierig geworden und habt Lust an einem dieser Jahreskreisfeste bei mir oder Michael teilzunehmen.

Die nächste Jahreskreisfestveranstaltung findet am 2. August von 18:30 – 21:30 statt. „Lughnasad“, eines der ältesten Erd- und Fruchtbarkeitsfeste

Eure Kathrin

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