Schafgarbe – Achillea millefolium

Mit der Schafgarbe verbindet mich ein ganz besonderes Erlebnis. Es wurde mir wieder bewusst, wie groß die Berechtigung alter Überlieferungen ist. Dieses wundervolle Kraut in dem eine lichtvolle, heilende Kraft innewohnt heißt nicht umsonst auch „Gottesgnadenkraut“. Bevor ich über die heilendenden Eigenschaften der Schafgarbe berichten werde, will ich Euch an meinem Erlebnis teilhaben lassen.

Eine alte Überlieferung berichtet, dass die Schafgarbe auch als Wetterorakel verwendet werden kann. Wie, das hatte ich zu dieser Zeit nicht herausgefunden und hielt das Ganze für eine Art Aberglaube. Ich sollte eines besseren belehrt werden.

Vor vielen Jahren war ich in der Fränkischen Schweiz, bei Aufseß, für eine Kräuterführung mit Kindern und deren Eltern gebucht. Es war ein gewittriger Sommertag und der Himmel entlud sich mit Blitz und Donner. Ein reinigendes Sommergewitter zog ca. eine ¾ Stunde vor Beginn der Veranstaltung über Aufseß hinweg. Ich bereitete mich während dessen noch für die Führung vor. Schließlich wollte ich die Begeisterung für unsere wilden, heimischen Kräuter bei den teilnehmenden Kinder, wie auch bei den Eltern spielerisch und naturpädagogisch wecken. Ich war sicher das Wetter würde sich bis zum Start verzogen habe. So war es schließlich gemeldet und es hörte auch bald auf zu regnen und zu donnern. Am Horizont wurde der Himmel stetig heller.

Kurz bevor ich unser Haus verließ, ging ich noch einmal in mein Arbeitszimmer um meinen Sammelkorb zu holen. In meinem Zimmer hing noch ein alter, getrockneter und, so wie ich glaubte längst verdufteter Schafgarbenstrauß. Ich bemerkte verwundert, dass dieses vertrocknete Kraut stark und sehr aromatisch duftete. Kurz vorher war davon nichts zu riechen.  Ich konnte mir dies nicht erklären und hatte auch keine Zeit mehr darüber nachzudenken, denn ich wurde ja von den Kindern erwartet. Ich blickte noch einmal aus dem Fenster, es war keine Sonne zu sehen, keine Wolken, nur ein hellgrauer Himmel.

Gerade als ich das Haus verlassen wollte öffnete der Himmel wieder seine Schleußen. Kein Donner, kein Blitz, nur herabstürzendes Wasser. Die Welt war nicht mehr zu erkennen, als ob man hinter einen Wasserfall stehen würde. Nur der Sturm und der sinnflutartige Regen waren noch zu hören.

Ich weiß nicht wie lange es dauerte, bis sich das Wetterphänomen wieder beruhigt hatte und ich nach draußen gehen konnte, aber sicher nicht mehr als wenige Minuten. Ich war sehr in Sorge und hoffte, dass die Eltern mit den Kindern noch nicht am Treffpunkt angekommen waren. Dieser war direkt an einem Waldrand außerhalb von Aufseß.

Endlich ließ auch der Sturm nach und ich machte mich auf den Weg. Die Welt hatte sich verändert. Das Unwetter hatte einiges an Schäden angerichtet. Selbst eine große Fichte war direkt neben unserem Schafstall gestürzt. Zum Glück war keiner meiner Teilnehmer am Treffpunkt. Wie ich später erfahren habe, waren alle, genauso wie ich selbst, noch zu Hause. Der Weg allerdings, den ich für meine Wanderung geplant hatte, war nicht mehr zu erkennen. Wie Mikadostäbe lagen kreuz und quer die Bäume. Ich war so dankbar, dass sich das Unwetter vorher entladen hatte. Keiner von uns hätte eine Möglichkeit gehabt sich unterzustellen.

Im Nachhinein ist mir nun völlig klar, dass die Schafgarbe wirklich ein Wetterorakelkraut ist. Ich weiß nicht wie sie, so alt und verdorrt sie doch schon war, kurz vor Beginn des Unwetters so aromatisch und stark duften konnte. Lag es am Luftdruck, an der Luftfeuchtigkeit? Das können andere sicher besser erklären. Aber dass sie mit ihrem Duft gewarnt hatte ist sicher. So wie mit diesem Erlebnis und der alten Weisheit über die Schafgarbe ging es mir inzwischen schon häufiger. Und ich bin immer noch am lernen und staunen.

Heilkraft der Schafgarbe

Das Wirkungsspektrum der Schafgarbe ist groß und sie ist eine unserer ältesten Heilkräuter. Als Magen-, Darmmittel, wie auch bei Gallenbeschwerden ist sie gut einsetzbar. Sie regt, wie die meisten Kräuter mit viel Bitterstoffen (sekundärer Pflanzenstoff, siehe Blogeintrag), die Drüsentätigkeit an. Laut Apotheker M. Pahlow wird durch das Kalium im Verbund mit anderen Wirkstoffen in der Pflanze die Nierentätigkeit gefördert und so eignet sich die Schafgarbe gut für Frühjahrs- oder Herbstkuren. Sie ist auch ein Bestandteil der „Grünen Neune“ – eine Frühjahrssuppe mit 9 verschiedenen Kräutern. Das ätherische Öl Azulen wirkt desinfizierend, entzündungshemmend und krampflösend. Sie ist auch als desinfizierendes und blutstillendes Wundheilmittel einsetzbar. Nicht umsonst wird sie auch Soldatenkraut genannt. Wegen der desinfizierenden Wirkung wurde die Schafgarbe früher den Wöchnerinnen in Bett gelegt (Mariabettstrohkraut) oder in den Pesthäusern aufgehängt (Pestilenzkraut)…

Eine ihrer wichtigsten Heileigenschaften ist für mich ihre Kraft als Frauenkraut. Sie ist krampflösend, wird bei der vegetativen Dystenie des kleinen Beckens (Krämpfe durch Fehlfunktionen des vegetativen Nervensystems), Dysmenorrhoe (Regelschmerzen), starken Menstruationsblutungen und prämenstruellen Syndrom verwendet. Ich rate die Schafgarbe bei diesen Beschwerden als Tee oder Urtinkur (z.B. Fa. Ceres) in der zweiten Zyklushälfte, da sie zu den progesteronausgleichenden Kräutern gehört. Selbstverständlich sollte man bei ernsthaften Erkrankungen einen Ärzt*in oder eine*n Heilpraktiker*in aufsuchen. Jede Selbstbehandlung liegt in der Eigenverantwortung.

Es gibt noch viel mehr über die Schafgarbe zu berichten (Räucherkraut, äth. Öl, Bräuche, Mythologien…). Ihr könnt Euch wie üblich auf der Homepage/Veranstaltungen informieren.

Meine nächste Wildkräuterexkursion findet am 16. Juli 2022, 14:00 – 16:00 statt.

Eure Kathrin

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